Testamentsvollstreckung

Seit 12/2016 ist Herr Stb. Dipl-Kfm. Dr. Holger Bittrich nicht nur Fachberater für Unternehmensnachfolge sondern auch zertifizierter Testamentsvollstrecker und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstrecker und Vermögenssorge e.V. (kurz AGT e.V.).

Nachfolgend möchten wir Ihnen in Form von Fragen/Antworten das Thema „Testamentsvollstreckung“ näher bringen. Wenn Sie tiefergehende Fragen haben, rufen Sie uns gerne an oder vereinbaren einen Termin.


Wann ist es sinnvoll einen Testamentsvollstrecker einzusetzen?

Insbesondere bei der Bildung einer Erbengemeinschaft und damit einer Vielzahl von Erben und eventuell noch Vermächtnisbegünstigten ist es ratsam, einen professionellen Testamentsvollstrecker mit der Auseinandersetzung und Verteilung des Vermögens zu beauftragen. Bei Erbengemeinschaften besteht aufgrund der unterschiedlichen Interessenlagen die Gefahr, dass eine Einigung zumindest erschwert wenn nicht gar unmöglich ist. Gerade bei komplexeren Vermögens- und Erbverhältnissen unter Beteiligung von Immobilien, Firmenübergaben oder auch Vermögen im Ausland ist die Wahrscheinlichkeiten von Streitigkeiten leider relativ groß. In solchen Erbfällen ist die Anordnung einer Testamentsvollstreckung häufig die Garantie für eine geordnete streitarme Erbauseinandersetzung.


Welches sind die Hauptgründe für eine Testamentsvollstreckung

Wer ein Testament oder einen Erbvertrag errichtet, hat idR klare Ziele vor Augen:

  1. gerechte und zügige Verteilung des Nachlasses
  2. Schutz des Vermögens
  3. Erhaltung des Familienfriedens
  4. finanzielle Absicherung des Ehepartners und anderer Familienmitglieder

Diese Ziele lassen sich oft besser verwirklichen, wenn die Verantwortung für die Nachlassabwicklung oder -verwaltung einem Testamentsvollstrecker übertragen wird. Denn wenn die Erben versuchen, alles selbst zu regeln, ist Streit und Ärger häufig vorprogrammiert.


1. Deutliche Arbeitsentlastung für die Erben

Niemand sollte die Nachlassabwicklung unterschätzen. Die Aufgabe ist keineswegs einfach und umfasst viele Schritte. Viele Dinge sind zu veranlassen und zu beachten:

  1. Sicherung des Nachlasses
  2. Wohnungsauflösung
  3. Sichtung aller Unterlagen
  4. Erstellung des Nachlassverzeichnisses
  5. Klärung aller bestehenden privaten und geschäftlichen Vertragsbeziehungen
  6. Einziehung fälliger Forderungen
  7. Bezahlung von Rechnungen
  8. Erfüllung von Auflagen und Vermächtnissen
  9. notwendige Kündigungen
  10. Konten- und Grundstücksumschreibungen
  11. Unterbringung von Haustieren
  12. Überwachung aller Fristen
  13. Abgabe der Erbschaftsteuererklärung

Aus unterschiedlichen Gründen können die Erben diese Angelegenheiten oft nicht selbst erledigen: Wer im Beruf voll gefordert ist, hat meist keine Zeit für Behördengänge. Junge und unerfahrene oder minderjährige Erben können die Nachlassabwicklung genauso wenig übernehmen wie Erwachsene im Alters- oder Krankheitsfall. Weit entfernt wohnende Personen, die z. B. im Ausland leben, sind in der Regel nur schwer in der Lage, alle anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Vor allem bei einem großen und wertvollen Nachlass wird ein geschulter und erfahrener Testamentsvollstrecker die Hinterbliebenen entlasten, beraten und unterstützen.

2. Friedensstiftung

Entsteht durch den Todesfall eine Erbengemeinschaft, können die Erben den Nachlass nur gemeinschaftlich verwalten. Bei wesentlichen Entscheidungen gilt das Prinzip der Einstimmigkeit. Viele Verwandte haben sich im Zuge der Erbauseinandersetzung schon zerstritten, weil sie selbst nebensächliche Dinge nicht regeln konnten.

Ganz anders ist das bei einer Testamentsvollstreckung. Die Fäden laufen bei einer Person zusammen, die zu Objektivität und Neutralität verpflichtet ist und häufig auch bei aufkommendem Streit oder zwischen den Fronten vermitteln kann. Vorschläge eines Testamentsvollstreckers finden eher die Zustimmung aller Beteiligten als die Wunschvorstellungen von verfeindeten Familienmitgliedern, die miteinander nicht mehr reden können.

3. Durchsetzung des Erblasserwillens

Testamentsvollstrecker setzen die Anweisungen und Richtlinien des Verstorbenen nach dem Wortlaut und Geist seines Testaments um. Sie kümmern sich darum, dass sämtliche Auflagen und Vermächtnisse auch wirklich erfüllt werden. Manchmal ist die Testamentsvollstreckung sogar über einen längeren Zeitraum sinnvoll. Mit einer Anordnung, die dies vorschreibt, kann der Erblasser den Nachlass der Verwaltung der Erben (befristet) entziehen, um das Vermögen zu schützen. Die Testamentsvollstreckung kann beispielsweise die voreilige Liquidierung wertvoller Immobilien oder die rasche Zerschlagung eines gesunden Familienunternehmens verhindern.

Testamentsvollstreckung kommt auch dann in Betracht, wenn man sich entschließt, den Nachlass oder Teile davon einer Stiftung zuzuwenden. Der Testamentsvollstrecker kann in diesem Fall die Aufgabe übernehmen, die Stiftung zu gründen und dafür zu sorgen, dass sie die Ziele des Erblassers (z. B. Umweltschutz, Forschungsförderung, soziale Gerechtigkeit) auch tatsächlich realisiert.


4. Minderjährigenschutz

Immer wieder kommt es vor, dass Eltern mit ihrem Vermögen minderjährige Kinder absichern wollen. In diesem Fall reicht es jedoch nicht aus, die Kinder als Erben einzusetzen. Um das Erbe vor dem Zugriff des gesetzlichen Vertreters zu schützen, kann der Erblasser Testamentsvollstreckung anordnen.

Die Person, die mit dieser Aufgabe beauftragt ist, ist dann bei Rechtsgeschäften weder auf die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters noch des Vormundschaftsgerichts angewiesen.


5. Schutz Behinderter

Wenn ein Behinderter, der in einem Heim lebt, eine Erbschaft erhält, droht in der Regel der „sozialhilferechtliche Rückgriff“. Der Sozialhilfeträger, der die Kosten für die Pflege und Unterbringung trägt, fordert regelmäßig die Liquidierung des Erbes zur Bezahlung dieser Leistungen. Die Anordnung einer Testamentsvollstreckung kann die baldige Aufzehrung des empfangenen Vermögens verhindern, da der Nachlass des Behinderten dann vor einem Zugriff etwaiger Gläubiger, und damit auch des Sozialhilfeträgers geschützt ist.

6. Steuerersparnis

Der Testamentsvollstrecker ist zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung verpflichtet. Sofern er Erbrechtsexperte und in steuerlichen Fragen versiert ist, kann er die Steuerbelastung der Erben minimieren.


7. Schutz des Erben vor seinen eigenen Gläubigern

Manchmal steht der Testierende vor der Frage, wie er den künftigen Nachlass vor den Gläubigern des Erben schützen kann. Die Testamentsvollstreckung bietet eine effektive Möglichkeit, den Zugriff solcher Gläubiger auf den Nachlass abzuwehren.

Wer kann Testamentsvollstrecker sein?

Der Erblasser kann jede natürliche oder juristische Person zu seinem Testamentsvollstrecker bestellen. Falls allerdings ein öffentliches Testament oder ein Erbvertrag verfasst wurden, dann ist es ausgeschlossen, dass der beurkundende Notar ebenfalls als Testamentsvollstrecker fungiert. Die Anordnung der Person erfolgt entweder im Testament, im Erbvertrag oder durch das Nachlassgericht.

Der Erblasser ist frei in seiner Entscheidung, wen er mit der Verwaltung seines Vermögens beauftragen möchte. Grundsätzlich kann er auch aus dem Kreis der Erbengemeinschaft jemanden dafür vorsehen. Sinnvoll ist es jedoch häufig, einen professionellen und neutralen Testamentsvollstrecker einzusetzen. Dieser erfüllt die Aufgaben –bei entsprechender Vorbildung- nicht nur mit hoher Kompetenz, sondern kann auch zwischen den Erben neutral vermitteln. Ob der Erblasser hierzu einen Steuerberater, Fachanwalt, einen Finanzplaner oder auch einen Unternehmensberater auswählt, bleibt seinem freien Ermessen überlassen, denn er muss am besten wissen welcher Fachmann die beste Wahl darstellt.

Welche Pflichten hat der Testamentsvollstrecker? 

  1. Damit sich die Erben einen Überblick über den Nachlass verschaffen können, muss der Testamentsvollstrecker unverzüglich ein Nachlassverzeichnis erstellen.
  2. Während seiner Tätigkeit als Testamentsvollstrecker ist er den Erben auskunfts- und rechenschaftspflichtig.
  3. Der Testamentsvollstrecker muss sein Amt gewissenhaft und sorgfältig führen und das ihm anvertraute Vermögen nicht nur erhalten, sondern möglichst auch vermehren.
  4. Schenkungen darf der Testamentsvollstrecker nicht vornehmen, es sei denn, es handelt sich um Anstands- oder Pflichtschenkungen.
  5. Der Testamentsvollstrecker darf auch keine Geschäfte mit sich selbst abschließen, also keine Gegenstände aus dem Nachlass käuflich erwerben.
  6. Fügt der Testamentsvollstrecker den Erben vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zu, so haftet er hierfür mit seinem Privatvermögen.
  7. Auf Antrag erteilt das Nachlassgericht dem Testamentsvollstrecker ein Zeugnis, damit er sich im Rechtsverkehr gegenüber Dritten legitimieren kann.

Welche Anforderungen werden an den Testamentsvollstrecker gestellt?

Der Erfolg der Testamentsvollstreckung steht und fällt mit der damit beauftragten Person. Das Amt erfordert neben der fachlichen Kompetenz ein hohes Maß an Sorgfalt, Entscheidungs-, Durchsetzungs- und Überzeugungskraft sowie die Fähigkeit zum Ausgleich und innere Unabhängigkeit. Ein Angehöriger oder ein Miterbe als Testamentsvollstrecker – das birgt von Haus aus Zündstoff. Der Vorwurf, der Testamentsvollstrecker verhalte sich parteilich, kommt in diesen Fällen meist sehr schnell auf. Streit zwischen den Erben lässt sich dagegen durch Einsetzung einer neutralen Person vermeiden: Der Nachlass kann dann mit einem hohen Maß an persönlicher und sachlicher Distanz durch den Testamentsvollstrecker als Vermittler zwischen verfeindeten Erben abwickelt werden. Ein Testamentsvollstrecker, der nicht nur Jurist sondern auch Erbrechtsexperte ist, sorgt dafür, dass bei der Nachlassabwicklung oder Verwaltung des hinterlassenen Vermögens alles korrekt abläuft. Ein juristischer Laie ist in der Regel mit der umfangreichen und komplizierten Nachlassabwicklung überfordert und für den Schaden, den er verursacht, in vollem Umfang verantwortlich.

Der Erblasser sollte in seiner Verfügung von Todes wegen schon den Testamentsvollstrecker selbst bestimmen. Auch die Einsetzung einer deutlich jüngeren Ersatz-Person kann sinnvoll sein. Aufgrund der verlängerten Lebenszeiten kommt es vor, dass eine für die Testamentsvollstreckung geeignete Person selbst über die Jahrzehnte alt wird und dann nach dem Tod des Erblassers die Aufgabe nicht mehr übernehmen kann. Wer dem Nachlassgericht die Bestimmung eines Testamentsvollstreckers überlässt, macht im Prinzip keinen Fehler, riskiert aber, dass eine fremde, möglicherweise im konkreten Fall nicht ganz geeignete Person ausgewählt wird. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.NDTV.info.


Welche Kosten entstehen bei einer Testamentsvollstreckung 

Die Kosten für eine Testamentsvollstreckung richten sich vorrangig nach den Bestimmungen im Testament. Der Deutsche Notarverein hat hierzu eine Vergütungsregelung vorgeschlagen: 

4% des Nachlasses bis 250.000 EUR

3% bis 500.000 EUR

2,5% bis 2,5 Mio. EUR

2% bis 5 Mio. EUR

1,5% über 5 Mio. EUR

Diese Empfehlungen haben sich in der Praxis als faire Regelung für den Testamentsvollstrecker einerseits und die Erben andererseits bewährt.